Enzyklopädie der Parfümrohstoffe: Zutaten und ihre Geschichte – Teil 10

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Enzyklopädie der Parfümrohstoffe: Zutaten und ihre Geschichte – Teil 10

Was verbirgt sich hinter den Noten in der Beschreibung eines Parfums? Im zehnten Teil unserer Enzyklopädie stellen wir Maiglöckchen, Pfirsich, Pelargonie, Ambrettosamen, Elemi und Aldehyde vor – von der stummen Blume, die nicht destilliert werden kann, bis hin zu den sprudelnden Molekülen, die die moderne Parfümerie verändert haben.

Maiglöckchen – Frühlingsglocken, die nicht destilliert werden können

Im Mai reicht es, sich über den schattigen Waldboden zu beugen, um sie zu riechen: einen reinen, kühlen, leicht grünen Duft, der den Morgennebel in sich zu tragen scheint. Das Maiglöckchen (Convallaria majalis) ist eine kleine Pflanze der europäischen Laubwälder und gehört dennoch zu den klassischen Motiven der Blumenparfümerie. Es hat nur eine Besonderheit – sein Duft kann nicht wirklich aus den Blüten gewonnen werden.

Eine stumme Blume, die komponiert werden muss

Parfümeure zählen das Maiglöckchen zu den sogenannten stummen Blumen. Aus seinen zarten Glocken lässt sich durch Wasserdampfdestillation kein verwendbares Öl gewinnen, und auch die Extraktion mit Lösungsmitteln bringt kein Ergebnis, das das im Wald Erlebte treu einfängt. Der Maiglöckchenduft wird daher in der Parfümerie immer komponiert – zunächst aus Kombinationen anderer natürlicher Stoffe, seit dem Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem aus synthetischen Molekülen.

Ein entscheidender Durchbruch kam mit Hydroxycitronellal, einem Molekül mit einem weichen, frisch-blumigen Duft, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet wurde. Danach folgten viele weitere Stoffe, die verschiedene Facetten des Maiglöckchens betonen – mal zitronig frisch, mal wässrig, grün oder pudrig zart. Einige der früher beliebten Moleküle wurden heute durch europäische Vorschriften eingeschränkt oder ganz ausgeschlossen, sodass Parfümeure das Maiglöckchen immer wieder aus neueren Bausteinen „rekonstruieren“. Jedes Maiglöckchen in einem Fläschchen ist also eigentlich ein Porträt, kein Abdruck.

Der resultierende Eindruck ist frisch, grün und taufrisch, mit einem sanft seifigen, fast transparenten blumigen Hauch. In der Komposition wird das Maiglöckchen hauptsächlich im Herzen des Duftes eingesetzt, wo es auch schwereren Blumen Licht und Luftigkeit verleiht. Es verbindet sich gerne mit Rose, Jasmin und Ylang-Ylang, die es abrunden, mit Bergamotte, die es im Auftakt erhellt, mit grünen Blättern, die seinen Waldursprung unterstreichen, und mit Moschus, das seine Reinheit länger auf der Haut bewahrt. Ein berühmtes Maiglöckchen-Parfüm aus den 50er Jahren gilt bis heute als Vorbild für eine transparente Frühlingsblume.

Blume des Glücks

In Frankreich hat das Maiglöckchen seinen eigenen Tag. Jedes Jahr am 1. Mai wird es als Glücksbringer an die Liebsten verschenkt, und auf den Straßen bieten es Verkäufer dann fast an jeder Ecke an. Der Brauch soll im 16. Jahrhundert von einem französischen König begründet worden sein, der ein Maiglöckchen als Talisman erhielt und beschloss, es jeden Frühling an die Damen am Hof zu verteilen. Das Maiglöckchen wurde zum Symbol des Frühlings, neuer Anfänge und der eleganten Blumenparfümerie. Es erscheint auch in Brautsträußen und soll laut christlicher Legende aus den Tränen der Jungfrau Maria gewachsen sein.

Eines sollte man im Hinterkopf behalten: Das hübsche Maiglöckchen ist eine giftige Pflanze. Sein Zauber gehört daher in den Garten, die Vase und die Parfüms – nicht in die Küche.

Pfirsich – die samtige Frucht der Unsterblichkeit

Wenige Früchte haben eine so reiche Geschichte wie der Pfirsich. Seine Heimat ist China, wo er seit Jahrtausenden angebaut wird und seit jeher Langlebigkeit und Unsterblichkeit symbolisiert. Der Legende nach reiften in den Gärten der Göttin Xi Wangmu die Pfirsiche der Unsterblichkeit nur einmal alle dreitausend Jahre, und wer von ihnen kostete, erlangte ewiges Leben. Daher erscheint der Pfirsich bis heute auf chinesischen Gemälden, Porzellan und Geburtstagswünschen für ältere Menschen.

Nach Europa gelangte er über einen Umweg über Persien. Die alten Römer hielten ihn für eine persische Frucht, weshalb ihm der lateinische Name Prunus persica – wörtlich „persische Pflaume“ – blieb.

Ein Duft, den man nicht pressen kann

Obwohl der Pfirsich schon am Baum duftet, gewinnen Parfümeure direkt nichts aus ihm. Aus dem Fruchtfleisch lässt sich kein Duftöl in brauchbarer Menge herstellen, und das aus den Kernen gepresste Öl ist zwar in der Kosmetik beliebt, trägt aber keinen fruchtigen Duft. Der Pfirsichton im Parfüm ist daher immer eine Rekonstruktion. Der Schlüssel dazu sind Laktone – Moleküle, die auch in der Frucht selbst natürlich vorkommen. Das bekannteste von ihnen ist Gamma-Undecalacton, in der Parfümerie als „Aldehyd C-14“ bekannt. Trotz des Namens ist es kein Aldehyd – die Bezeichnung entstand Anfang des 20. Jahrhunderts und hat sich bis heute gehalten.

Der resultierende Duft ist samtig, saftig und cremig, mit einem zarten Hauch von Kokosnuss und reifer Aprikose. Er wirkt weder sauer noch frisch wie Zitrusfrüchte – er erinnert eher an die warme Schale einer von der Sonne durchwärmten Frucht.

In den Kopfnote und im Herzen

Der Pfirsich findet Verwendung in den Kopfnote, wo er der Komposition einen saftigen Auftakt verleiht, und im Herzen, wo er Blumen abrundet und ihnen Weichheit verleiht. Berühmt wurde er durch Chypre-Parfüms aus dem frühen 20. Jahrhundert. Der laktonische Pfirsich milderte darin das erdige, leicht bittere Eichenmoos und schuf einen Kontrast, der in die Geschichte der Parfümerie einging. Der berühmte Chypre-Duft von 1919 verdankt seinen unverwechselbaren Charakter angeblich genau dieser Verbindung. Fruchtige Chypre wurden seitdem zu einem eigenständigen Zweig der gesamten Familie.

In Duftkompositionen trifft man ihn am häufigsten in folgenden Kombinationen an:

  • Jasmin – teilt mit dem Pfirsich die cremige, sinnliche Fülle und wirkt gemeinsam strahlend,
  • Rose – der Pfirsich nimmt ihr die Pudrigkeit und fügt Saftigkeit hinzu,
  • Eichenmoos – klassischer Chypre-Kontrast von Samt und Walderde,
  • Vanille – verleiht dem Pfirsich eine dessertartige, gourmande Note,
  • Moschus – verlängert seine Weichheit und vermittelt den Eindruck von sauberer Haut.

Pelargonie – die rosige Seele des Fenstergeranien

Wenn Sie ein Blatt der Geranie vom Fensterbrett zwischen den Fingern zerreiben, riechen Sie einen grünen, leicht würzigen Duft. Ihre duftenden Verwandten können jedoch mehr: Ihre Blätter erinnern gleichzeitig an Rose, Zitrone und Minze. Genau diese duftenden Pelargonien, in der Parfümerie traditionell als Geranium bezeichnet, gehören zu den beliebten blumigen Rohstoffen – obwohl kein einziges Blütenblatt von ihnen destilliert wird.

Von Südafrika in europäische Gärten

Die Heimat der Pelargonien ist Südafrika, insbesondere die Kapregion. Im 17. Jahrhundert gelangten sie nach Europa und wurden schnell zu einer Zierde von Gärten, Gewächshäusern und Fenstern. Botanisch handelt es sich um die Gattung Pelargonium, nicht um die Gattung Geranium, auf Deutsch Storchschnabel – in der Parfümerie hat sich jedoch der Name Geranium eingebürgert und hält sich bis heute.

Im großen Stil wurden duftende Pelargonien im 19. Jahrhundert angebaut, zunächst in Frankreich und bald darauf in Nordafrika und auf der Insel Réunion. Der Grund war einfach: Ihr Öl duftet auffallend rosig und lässt sich viel einfacher gewinnen als das Öl aus Rosenblüten, für dessen Kilogramm Tonnen von Blütenblättern benötigt werden. Die Pelargonie wurde so zu einer zuverlässigen Begleiterin der Rose – sie ersetzt sie nicht vollständig, kann sie aber ergänzen, aufhellen und unterstützen.

Das ätherische Öl wird durch Dampfdestillation von Blättern und Stängeln gewonnen. Heute stammt der Großteil der Produktion aus Ägypten und China. Réunion gab der Sorte „Bourbon“ ihren Namen, nach dem alten Namen der Insel; ihr Öl gilt als besonders fein und süßlich-rosig, wird jedoch nur noch in kleinen Mengen hergestellt.

Rose mit grünem Blatt

Der Duft der Pelargonie ist rosig, aber nicht pudrig süß. Er trägt einen frischen Ton von zerriebenem Blatt, eine zitrusartige Frische und einen kühlen, fast minzigen Abschluss in sich. Die Verwandtschaft mit der Rose beruht auf den gemeinsamen Molekülen Geraniol und Citronellol, die in beiden Rohstoffen zu finden sind. Die Öle aus verschiedenen Regionen unterscheiden sich dabei – das ägyptische wird als ausgewogen und rund beschrieben, das chinesische als etwas schärfer zitronig.

In Parfüms bildet die Pelargonie meist das Herz der Duftkomposition. Einen besonderen Platz hat sie in aromatischen Düften des Typs Fougère, wo sie zusammen mit Lavendel, Eichenmoos und Cumarin das Rückgrat der Komposition bildet – deshalb riecht man sie so oft in klassischen Herrendüften. Sie verbindet sich gerne mit diesen Rohstoffen:

  • Rose – Pelargonie hellt sie auf und verleiht ihr grüne Frische,
  • Lavendel – zusammen erzeugen sie einen klaren, aromatischen Eindruck,
  • Bergamotte – betont die zitrusartige Seite der Blätter,
  • Patschuli – fügt erdige Tiefe hinzu,
  • Vetiver – verankert den Duft in einer trockenen, holzigen Basis.

Ambrettasamen – Hibiskus mit Moschusduft

Der Moschus-Hibiskus (Abelmoschus moschatus), früher direkt zu den Hibiskusarten gezählt, ist eine kräftige tropische Pflanze mit großen gelben Blüten und dunklem Zentrum. Er stammt aus Südostasien und wird heute beispielsweise in Indien, Ecuador oder auf Madagaskar angebaut. Für die Parfümerie sind jedoch vor allem seine kleinen graubraunen, nierenförmigen Samen von Bedeutung, die in behaarten Kapseln verborgen sind. Der französische Name Ambrette, von dem auch der deutsche Name abgeleitet ist, verweist auf Ambra – in ihrem Duft spürt man seit jeher einen warmen, weichen und leicht animalischen Ton.

Der Weg vom Samen zum kostbaren Öl

Die Samen werden nach der Ernte getrocknet und gemahlen. Das Öl wird durch Dampfdestillation, gegebenenfalls durch Lösungsmittel- oder Kohlendioxidextraktion gewonnen. Bei der Destillation entsteht zunächst eine dicke, wachsartige Masse, die aufgrund ihres Gehalts an Fettsäuren als Ambrettabutter bezeichnet wird; erst durch weitere Reinigung entsteht das feinere Absolue. Der Ertrag ist gering und die Verarbeitung aufwendig, daher gehen Parfümeure mit Ambrette vorsichtig um. Hauptverantwortlich für den typischen Duft ist Ambrettolid – ein makrozyklisches Lacton, also ein Molekül mit einem großen Atomring, ähnlich anderen Moschusverbindungen. Chemiker können es heute auch synthetisch herstellen und es gehört zu den geschätzten Moschusmolekülen der modernen Parfümerie.

Wie riecht Ambrette? Stellen Sie sich einen sanften, pudrig-warmen Moschusduft vor, der weder schwer noch animalisch wirkt, sondern eher wie saubere, leicht süßliche Haut. Dazu schimmert ein fruchtiger Ton, der an reife Birne und einen Tropfen Wein erinnert. In der Komposition kommt er im Herzen und vor allem in der Basis zur Geltung, wo er den Duft abrundet, verlängert und ihm eine samtige Tiefe verleiht.

Pflanzlicher Ersatz für tierischen Moschus

Echter Moschus wurde einst aus der Drüse des männlichen Moschushirsches, einem kleinen Bergwiederkäuer aus Asien, gewonnen. Er war äußerst selten, und so bot sich der Ambrettasamen als pflanzliche Alternative an – in Parfüms, Pudern und Weihrauch. Tierischer Moschus wird heute aus Rücksicht auf den Schutz der Moschushirsche in der Parfümerie nicht mehr verwendet, und Ambrette bleibt eine der wenigen natürlichen Quellen für Moschusduft. Die Samen fanden auch außerhalb der Parfümerie Verwendung: Im arabischen Raum sollen sie sogar zum Würzen von Kaffee verwendet worden sein.

Ambrette verbindet sich gerne mit Iris, mit dem sie pudrig-samtige Akkorde bildet, verleiht der Rose eine warme Sinnlichkeit und mildert Neroli zu einem hautweichen Schleier. Mit Sandelholz verschmilzt sie zu einer cremigen, holzig-warmen Basis und hilft zusammen mit anderen Moschustönen, den Eindruck von "reiner Haut" zu erzeugen, der sich nah am Körper hält. Wenn Sie Parfüms mögen, die nicht laut sind, sondern den ganzen Tag bei Ihnen bleiben, ist es gut möglich, dass Sie Ambrettasamen schon begegnet sind, ohne es zu wissen.

Elemi – Zitronenharz aus den philippinischen Wäldern

In den tropischen Wäldern der Philippinen wächst der mächtige Baum Canarium luzonicum. Er gehört zur Familie der Burseraceae, also zur gleichen botanischen Familie wie Weihrauch und Myrrhe – und wie seine berühmteren Verwandten verbirgt er unter der Rinde ein duftendes Harz. Die Sammler schneiden die Rinde vorsichtig an, und aus den Einschnitten fließt langsam eine klebrige, zunächst weißliche bis gelbliche Masse, die an der Luft allmählich aushärtet. So entsteht Elemi, ein Harz, dessen Duft nicht schwer oder rauchig wirkt, sondern überraschend frisch.

Vom Harz zum ätherischen Öl

Parfümeure arbeiten meist mit ätherischem Öl, das durch Dampfdestillation aus dem Harz gewonnen wird. Es ist reich an Limonen – derselben Molekül, die Sie aus dem Duft von Zitronenschalen kennen – und an Elemol, einem Sesquiterpenalkohol, der dem Duft Tiefe verleiht. Neben dem Öl wird auch ein Resinoid hergestellt, das durch Lösungsmittel-Extraktion gewonnen wird; es ist dicker, balsamischer und hält länger auf der Haut.

Der Duft von Elemi erinnert an einen Spaziergang durch einen Nadelwald mit einer frisch aufgeschnittenen Zitrone in der Hand: Er ist frisch zitronig, leicht würzig, mit einem Hauch von Pfeffer und Fenchel, nadelholzartig und darunter weich balsamisch. Gerade diese doppelte Facette macht es zu einem willkommenen Helfer. In den Kopfnote erhellt es die Komposition und verleiht ihr Leichtigkeit, gleichzeitig schafft es dank des harzigen Untertons eine Brücke zu den schwereren Harzen im Herzen. Dort, wo reiner Weihrauch oder Labdanum düster wirken könnten, bringt Elemi Licht.

Salben, Balsame und Malerlacke

Elemi gelangte bereits vor Jahrhunderten nach Europa und hatte lange Zeit eher seinen Platz in Apotheken als in der Parfümerie. Es war Bestandteil traditioneller heilender Salben und Balsame – ähnlich wie Weihrauch und Myrrhe, mit denen es Herkunft und lange Geschichte teilt. Es fand auch in Handwerken Anwendung: Es wurde Lacken und Firnissen zugesetzt, denen es angeblich Elastizität verlieh, damit sie nach dem Trocknen nicht so leicht rissen, und es fand traditionell auch in der Malerei Verwendung. Den Weg zur Parfümerie fand es erst später, dafür mit umso größerem Anklang bei denen, die einen frischen Gegenpol zu schweren Balsamen suchen.

In Duftkompositionen trifft Elemi am liebsten auf seine harzigen Verwandten – Weihrauch und Myrrhe – und auf das ambraartige Labdanum. Es fühlt sich auch in der Gesellschaft von Zitrusfrüchten wohl, deren Frische es unterstreicht, mit schwarzem Pfeffer, der seine würzige Seite betont, und mit Lavendel, mit dem es einen sauberen aromatischen Eindruck erzeugt. Wenn Sie beim Riechen an einem Parfüm einen zitronigen Funken bemerken, hinter dem sich langsam ein warmer, tempelbalsamischer Schleier öffnet, ist es durchaus möglich, dass im Hintergrund Elemi steht.

Aldehyde – die sprudelnden Bläschen der modernen Parfümerie

Wenn ein Duft als prickelnd wie Champagner oder nach frisch gestärkter Wäsche duftend beschrieben wird, sind oft Aldehyde im Spiel. Im Gegensatz zu Blüten, Harzen oder Samen handelt es sich hierbei nicht um einen bestimmten Rohstoff, sondern um eine ganze Gruppe organischer Moleküle. In geringen Mengen kommen sie auch in der Natur vor, zum Beispiel in Zitrusschalen oder im Rosenöl. Für die Parfümerie werden sie jedoch synthetisch hergestellt, in einer reinen und genau definierten Form.

Was die Zahlen C-10, C-11, C-12 verraten

Parfümeure arbeiten am häufigsten mit sogenannten fettigen aliphatischen Aldehyden. Sie werden mit dem Buchstaben C und einer Zahl bezeichnet, die die Anzahl der Kohlenstoffatome im Molekül angibt – zu den bekanntesten gehören C-10, C-11 und C-12. Jeder hat einen etwas anderen Charakter: Kürzere Ketten sind frischer und erinnern an Orangenschalen, längere wirken wachsartiger und seifiger, sodass sie eher gebügelte Wäsche oder Kerzenwachs evozieren.

An sich, in konzentrierter Form, riechen Aldehyde scharf, fettig und für ungeübte Nasen sogar unangenehm. Erst in Spuren verwandeln sie sich – im Duft wirken sie dann wie funkelnde Bläschen, die über der gesamten Komposition schweben. Sie vermitteln den Eindruck von sauberer Wäsche, Wachs, frisch gefallenem Schnee und einem leicht metallischen Glanz. Am stärksten sind sie in den Kopfnote zu spüren, die sie heben und „öffnen“, sodass das Parfüm geräumiger, luftiger und wie erhellt wirkt. Man sagt manchmal, dass Aldehyde wie Licht funktionieren, das auf andere Rohstoffe fällt.

Die Revolution der Zwanzigerjahre

Aldehyde tauchten in der Parfümerie bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf, ihren wahren Ruhm erlangten sie jedoch durch die blumig-aldehydischen Parfums der Zwanzigerjahre. Symbol dieser Welle wurde das berühmte Parfum von 1921, das die Ära der abstrakten Düfte einläutete – Kompositionen, die keine bestimmte Blume nachahmten, sondern einen völlig neuen, künstlerischen Eindruck schufen. Eine Anekdote besagt, dass der markante sprudelnde Charakter auf einen Laborfehler zurückzuführen ist: Ein Assistent soll die Aldehyde in einer viel höheren Dosis hinzugefügt haben, als beabsichtigt war, und das Ergebnis begeisterte schließlich alle. Ob dies tatsächlich so geschah, weiß heute niemand mit Sicherheit, die Geschichte gehört jedoch untrennbar zu den Aldehyden.

Beliebte Partner der Aldehyde

Am besten kommen sie in blumigen Kompositionen zur Geltung. Mit Rose, Jasmin und Ylang-Ylang schaffen sie ein strahlendes, pudrig-elegantes Herz, dem Iris eine kühle, fast metallische Sanftheit verleiht. In der Basisnote werden sie schön von cremigem Sandelholz und Vanille unterstützt, die den sprudelnden Anfang des Duftes allmählich mildern und wärmen. Wenn Sie die Aldehyde in einem Duft erkennen möchten, konzentrieren Sie sich auf die ersten Minuten nach dem Auftragen – genau dann zeigt sich der typische Eindruck von Bläschen und Reinheit am deutlichsten.