Was Sie in der Zusammensetzung von Lippenbalsamen finden

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Was Sie in der Zusammensetzung von Lippenbalsamen finden

Ein Lippenbalsam ist nicht nur Fett mit Duft – die Zusammensetzung entscheidet darüber, ob die Lippen nur kurzzeitig befeuchtet werden oder ob sie wirklich helfen. Wir zeigen, was sich am häufigsten in Balsamen verbirgt und wie man anhand der Zusammensetzung erkennt, welcher Balsam zu Ihren Lippen passt.

Warum sich die Zusammensetzung von Lippenbalsamen so unterscheidet

Ob Sie nun mit durch den Winterfrost rissigen Lippen oder dauerhaft empfindlichen Lippen, die auf alles Mögliche reagieren, zu kämpfen haben, wahrscheinlich kennen Sie diese Situation: Zwei Balsame im vergleichbaren Preissegment verhalten sich auf den Lippen völlig unterschiedlich. Der eine hält wie ein dichter Film, der sogar das Mittagessen übersteht, der andere zieht in kürzester Zeit ein und man hat das Gefühl, gar nichts aufgetragen zu haben. Der Unterschied liegt dabei weder in der Verpackung noch im Preis, sondern in der Rezeptur – konkret im Verhältnis von Wachsen, Fetten und der Wasserphase.

Lippenbalsam entsteht im Wesentlichen auf zwei Arten. Entweder handelt es sich um eine wasserfreie Mischung, also eine feste Komposition aus Wachsen und Ölen ohne einen Tropfen Wasser. Solche Balsame erkennt man an der klassischen Stiftform oder der festen Masse im Tiegel. Oder es handelt sich um eine Emulsion, in der neben dem Fettanteil auch eine Wasserphase mit feuchtigkeitsspendenden Komponenten enthalten ist. Beide haben auf den Lippen eine andere Aufgabe und hinterlassen ein unterschiedliches Gefühl, auch wenn die Verpackung fast gleich aussehen kann.

Vereinfacht gesagt, erfüllt jede der drei Rohstoffgruppen eine eigene Rolle:

  • Wachse geben dem Balsam Form und bilden auf den Lippen einen durchgehenden Film. Je mehr Wachse, desto dichter, schwerer zu verteilen und länger haltend ist die Schicht.
  • Öle und Butter machen den Balsam weicher, verbessern die Verteilbarkeit und sorgen für ein geschmeidiges Gefühl. Ein Übergewicht an Ölen bedeutet eine leichtere und schneller einziehende Textur.
  • Wasser und feuchtigkeitsspendende Komponenten liefern direkt Feuchtigkeit, verdunsten aber allein schnell von der Oberfläche. Sie benötigen eine Fettschicht darüber, die sie an Ort und Stelle hält.

Aus diesem Verhältnis ergibt sich auch, was Sie realistisch von einem Balsam erwarten können. Ein wachshaltiger, nahezu wasserfreier Balsam funktioniert hauptsächlich als Schutzbarriere: Er eignet sich für Frost, Wind und die Nacht, wenn er genügend Zeit hat, zu wirken. Eine leichte Emulsion hingegen bietet sofort ein Gefühl der Frische und eignet sich für häufiges, wiederholtes Auftragen tagsüber oder unter Lippenstift. Keine der beiden Varianten ist für sich genommen besser geeignet – sie unterscheiden sich je nach Situation, in die sie passen.

Eine Rolle spielt auch, wie viel Masse tatsächlich auf die Lippen gelangt. Einen flüssigen Balsam im Applikator trägt man in einer dünnen und gleichmäßigen Schicht auf, ein fester Stift überträgt deutlich mehr. Dieselbe Rezeptur kann daher in einem anderen Format als deutlich reichhaltiger erscheinen, ohne dass sich die Zutatenliste verändert hat. Ebenso gilt, dass die Dichte allein nichts über die schonende Zusammensetzung des Balsams aussagt.

Die gute Nachricht ist, dass sich all das schon vor dem Kauf abschätzen lässt. Man muss nur die Zutatenliste lesen können und wissen, worauf man achten sollte: Was steht an den ersten Stellen, welche Rohstoffe bilden die Basis, welche werden in kleinen Mengen für einen bestimmten Effekt hinzugefügt und worauf sollte man achten, wenn Ihre Lippen selbst auf Kleinigkeiten gereizt reagieren. Genau dazu führt Sie der folgende Text – Schritt für Schritt und ohne dass Sie Chemie beherrschen müssen.

Lippen benötigen eine andere Pflege als der Rest der Haut

Auf den ersten Blick erscheinen die Lippen als Fortsetzung der Gesichtshaut, doch strukturell handelt es sich um ein anderes Gewebe. Genau aus diesen Unterschieden ergibt sich, warum eine gewöhnliche Gesichtscreme auf den Lippen nicht so lange hält, wie man erwarten würde, und warum Lippenbalsame anders hergestellt werden als Feuchtigkeitscremes.

Der erste Unterschied liegt in der Dicke. Die Hornschicht, also der äußerste Teil der Haut, ist auf den Lippen deutlich dünner als auf der umliegenden Haut und enthält weniger Zellschichten. Deshalb schimmern die Lippen rosa – man sieht durch sie hindurch die Blutgefäße, die im Rest des Gesichts gut verborgen sind. Die dünne Schicht bedeutet jedoch auch eine geringere mechanische Widerstandsfähigkeit: Lippen reiben sich leichter ab, reißen in den Mundwinkeln und vertragen Reibung schlechter, sei es durch einen Schal oder durch grobes mattes Make-up.

Der zweite Unterschied ist wesentlicher und betrifft den Talg. Auf den Lippen gibt es praktisch keine Talgdrüsen, die kontinuierlich Fett abgeben würden, und es fehlen auch Schweißdrüsen. Auf der normalen Haut bilden diese Drüsen gemeinsam einen hydrolipidischen Film – eine dünne Schicht aus Fett und Wasser, die die Feuchtigkeit innen hält und von außen die Verdunstung verlangsamt. Lippen können einen solchen Film nicht selbst erzeugen. Wasser verdunstet schneller von ihnen als von der umliegenden Haut und sobald sie es einmal verlieren, haben sie nichts, um es zurückzuhalten.

Dazu kommen äußere Einflüsse. Trockene Luft in der Heizperiode, Frost, Wind und Sonnenstrahlung beschleunigen die Verdunstung weiter. Auch das Atmen durch den offenen Mund während des Schlafs oder bei Schnupfen spielt eine Rolle. Der häufigste Übeltäter ist jedoch das Lecken: Speichel vermittelt zwar kurzzeitig ein Gefühl von Feuchtigkeit, verdunstet jedoch schnell und nimmt die restliche Feuchtigkeit mit, die die Lippen hatten. Das Ergebnis ist ein Kreislauf, bei dem man die Lippen umso häufiger leckt, je trockener sie sind.

Aus dem, was den Lippen fehlt, lässt sich ableiten, was man von einem Balsam eigentlich erwartet. Es geht nicht um eine einzige Wirkung, sondern um drei Rollen, die ein guter Balsam gleichzeitig erfüllt:

  • Verschließen – den fehlenden Schutzfilm durch eine Schicht ersetzen, die die Verdunstung von Wasser verlangsamt und Wind, Frost sowie Reibung abschirmt. Diese Rolle übernehmen okklusive, also verschließende Inhaltsstoffe.
  • Erweichen – die aufgeraute Oberfläche glätten und den Lippen ihre Elastizität zurückgeben, damit sie nicht mehr schuppen und spannen. Dafür sorgen erweichende Inhaltsstoffe, die fachlich als Emollientien bezeichnet werden.
  • Regeneration unterstützen – die gereizte Haut beruhigen und ihr helfen, sich natürlich zu regenerieren. Dazu gehören beruhigende und regenerationsfördernde Substanzen.

Diese drei Rollen ergänzen sich in der Praxis. Ein Balsam, der nur verschließt, schützt zwar vor dem Wetter, kann aber mit trockenen und schuppenden Lippen allein nicht umgehen. Im Gegensatz dazu erweicht eine leichte, schnell einziehende Textur angenehm, verschwindet jedoch ohne verschließende Schicht schnell von den Lippen. Deshalb kombinieren die meisten Balsame Inhaltsstoffe aus allen drei Gruppen und unterscheiden sich hauptsächlich darin, auf welche Rolle sie den größten Wert legen.

Genau diese drei Rollen dienen Ihnen als Leitfaden, wann immer Sie einen Balsam umdrehen und auf die Zutatenliste schauen. Anstatt nach einer Wunderzutat zu suchen, fragen Sie sich bei jedem Punkt, welche Rolle er erfüllt – ob er verschließt, erweicht oder bei der Regeneration hilft. Mit diesem Schlüssel in der Hand ergibt die Zusammensetzung von Lippenbalsamen viel mehr Sinn.

Bienenwachs, Butter und Öle als Basis des Balsams

Ob Sie nun zu einem klassischen Stift oder einem dicken Balsam im Tiegel greifen, das Herzstück der Rezeptur besteht in der Regel aus drei Gruppen von Rohstoffen: Wachse, pflanzliche Butter und Öle. Wachse geben dem Produkt Form und bilden einen durchgehenden Film auf den Lippen, Butter sorgt für Dichte und Pflege, Öle für Verteilbarkeit und ein Gefühl von Geschmeidigkeit. Ihr Verhältnis entscheidet darüber, ob Sie den Balsam als feste Schicht oder als fast unmerklichen Schleier wahrnehmen.

Es hilft Ihnen, wenn Sie diese Komponenten in zwei Rollen aufteilen. Okklusive Stoffe schließen die Feuchtigkeit ein – sie bilden eine Barriere auf der Oberfläche, die die Verdunstung von Wasser verlangsamt. Weichmachende Komponenten, also Emollientien, werden in die oberen Schichten aufgenommen und ergänzen fehlende Fette. Ein ausgewogener Balsam kombiniert in der Regel beides.

Wachse als Gerüst der gesamten Rezeptur

Bienenwachs finden Sie in der Zusammensetzung unter dem Namen Cera alba oder Beeswax. Es schmilzt erst bei relativ hoher Temperatur, sodass der Stift auch in einer warmen Handtasche seine Form behält und auf den Lippen einen elastischen, eher matten Film hinterlässt. Neben der verschließenden Funktion bringt es auch einen kleinen Anteil an Estern mit, die die Lippen weich machen.

Pflanzliche Wachse erfüllen die gleiche Funktion ohne tierische Rohstoffe. Candelillawachs (Euphorbia cerifera cera) ist härter als Bienenwachs, sodass eine kleinere Menge ausreicht und das Ergebnis glänzender ist. Carnaubawachs (Copernicia cerifera cera) hat von den gängigen Wachsen den höchsten Schmelzpunkt; in kleinem Anteil festigt es den Stift, in größerem macht es ihn hart und schwerer verteilbar. Vegane Balsame kombinieren daher oft beide und ergänzen sie mit einem höheren Anteil an Ölen, um das Ergebnis weicher zu machen.

Lanolin (auf der Verpackung auch als Adeps lanae) ist ein wachsähnlicher Stoff, der aus Schafwolle gewonnen wird. Es erfüllt beide Rollen gleichzeitig: Es schließt ein und kann gleichzeitig Wasser binden, weshalb es sich für stark ausgetrocknete Lippen eignet. Vegan ist es allerdings nicht und bei einigen Menschen gehört es zu den häufigeren Kontaktallergenen, daher lohnt es sich, gezielt auf dem Etikett danach zu suchen.

Vaseline und Mineralöle

Petrolatum, Paraffinum liquidum oder Cera microcristallina stammen aus verarbeitetem Erdöl und erfüllen eine einzige, aber zuverlässige Aufgabe: die Oberfläche zu versiegeln. Sie sind chemisch stabil und ranzig nicht, enthalten jedoch keine Fettsäuren oder Vitamine, die die Lippen nähren würden. Ein Balsam, der hauptsächlich auf ihnen basiert, verhindert also den Feuchtigkeitsverlust, liefert aber selbst nichts. Sinn macht er vor allem dann, wenn Sie einen widerstandsfähigen Film gegen Frost und Wind benötigen.

Butter verleiht Dichte, Öle Geschmeidigkeit

Sheabutter (Butyrospermum parkii butter) gehört in dieser Gruppe zu den häufigsten. Neben Fettsäuren enthält sie auch einen unverseifbaren Anteil, also Komponenten, die helfen, trockene Haut zu beruhigen. Sie verleiht dem Balsam eine cremige, leicht wachsartige Konsistenz. Kakaobutter (Theobroma cacao seed butter) ist bei Raumtemperatur fest und schmilzt erst durch die Wärme der Lippen, sodass sie zunächst fest und dann seidig ist, zudem hat sie einen typischen Schokoladenduft.

Flüssige Öle bestimmen dann, wie leicht sich der Balsam verteilen lässt:

  • Jojobaöl (Simmondsia chinensis seed oil) ist technisch gesehen kein Öl, sondern ein flüssiges Wachs. Es ähnelt in seiner Zusammensetzung dem Hauttalg, zieht schnell ein und hinterlässt keinen schweren Film.
  • Mandelöl (Prunus amygdalus dulcis oil) gehört zu den klassischen Weichmachern. Es ist leicht, gut verträglich und verleiht den Lippen Geschmeidigkeit ohne starken Glanz.
  • Rizinusöl (Ricinus communis seed oil) ist dickflüssig und viskos, hält Pigmente und verleiht starken Glanz. Deshalb findet man es in getönten Balsamen.

Wenn also im oberen Teil der Zusammensetzung Wachs zusammen mit Butter und pflanzlichem Öl erscheint, erhalten Sie eine ausgewogene Kombination aus Verschluss und Pflege. Wenn überwiegend mineralische Komponenten vorherrschen, dient der Balsam eher als Schutzschild bei widrigen Bedingungen als als Pflege, die den Lippen etwas hinzufügt.

Panthenol, Vitamine und reizende Stoffe

Wachse, Butter und Öle bilden einen schützenden Film auf den Lippen, reparieren jedoch nichts von selbst. Deshalb werden Balsamen aktive Inhaltsstoffe hinzugefügt, die den Lippen Feuchtigkeit spenden, sie beruhigen oder vor der Sonne schützen sollen. Daneben gibt es in der Zutatenliste auch Stoffe, die hauptsächlich wegen des Gefühls beim Auftragen enthalten sind – und genau diese sind bei empfindlichen Lippen oft die häufigste Ursache für Probleme.

Aktive Inhaltsstoffe, die den Lippen helfen

Die folgenden Inhaltsstoffe gehören zu den häufigsten Zusätzen in Balsamen und machen in Kombination mit einer guten Fettbasis Sinn.

  • Panthenol (Provitamin B5) – gehört in der Kosmetik zu den am häufigsten verwendeten beruhigenden Inhaltsstoffen. Es bindet Feuchtigkeit und ist Bestandteil von Produkten für beanspruchte und gereizte Haut, daher eignet es sich auch für rissige Lippen.
  • Hyaluronsäure – bindet Wasser und wirkt auf der Oberfläche wie ein feuchtes Kissen. Sie benötigt jedoch etwas, das sie auf den Lippen hält, weshalb sie in Balsamen mit Wachsen und Ölen kombiniert wird. In einem separaten Gel ohne okklusive Schicht hält sie auf den Lippen nur kurz.
  • Ceramide – Lipide, die natürlich in der Hautbarriere vorkommen. In Rezepturen ergänzen sie die Fettkomponente und eignen sich für Lippen, die unter wiederholter Austrocknung leiden.
  • Allantoin, Bisabolol oder Ringelblumenextrakt – klassische beruhigende Inhaltsstoffe, die Sie auch in Balsamen finden, die als geeignet für empfindliche Haut gekennzeichnet sind.
  • Vitamin E (auf Verpackungen als Tocopherol angegeben) – ein Antioxidans, das in der Rezeptur eine doppelte Rolle spielt: Es wirkt auf die Haut und schützt gleichzeitig die Öle im Produkt vor schnellem Ranzigwerden.
  • Sonnenschutzfilter – Lippen haben eine dünne Haut und wenig Pigment, sodass sie in der Sonne leichter verbrennen als der Rest des Gesichts. Balsame mit SPF-Kennzeichnung machen vor allem in den Bergen, am Wasser und bei längeren Aufenthalten im Freien Sinn; der Schutz wird durch Essen und Trinken abgetragen, daher muss er erneuert werden.

Inhaltsstoffe, die empfindlichen Lippen nicht zusagen könnten

Die zweite Gruppe von Stoffen schadet den Lippen nicht automatisch – viele Menschen vertragen sie problemlos. Wenn Ihre Lippen jedoch regelmäßig brennen, jucken oder sich nach dem Balsam schälen, suchen Sie die Ursache wahrscheinlich hier.

  • Menthol, Kampfer und Pfefferminzöl – erzeugen ein kühlendes Kribbeln, das viele mit der Wirkung verbinden. Tatsächlich handelt es sich um einen reizenden Reiz; auf rissigen Lippen kann das Brennen verstärkt werden.
  • Parfümierung und ätherische Öle – auf der Verpackung als Parfum oder als einzelne Duftstoffe wie Limonen und Linalool angegeben. Zimt- und Zitrusöle gehören bei Lippen zu den häufigeren Auslösern von Reizungen.
  • Aromen und Süßstoffe – Vanille- oder Fruchtaromen sind angenehm, verleiten jedoch zum Lecken. Dabei trocknen Speichel die Lippen mehr aus, als der Balsam ihnen Feuchtigkeit zuführt.
  • Säuren zur Exfoliation – Glykol-, Milch- oder Salicylsäure kommen in Peeling-Balsamen vor. Auf gesunden Lippen können sie helfen, trockene Hautschüppchen zu entfernen, auf rissigen Lippen jedoch unnötig belasten.

Interessant ist auch der Grund, warum bei einigen Balsamen das Gefühl entsteht, sie ständig neu auftragen zu müssen. Meistens kommen mehrere Einflüsse zusammen: Ein reizender Inhaltsstoff reizt die Lippenoberfläche leicht, die aromatisierte Textur führt zum Lecken und ein rein okklusiver Balsam liefert den Lippen kein Wasser, sondern verhindert nur dessen Verdunstung. Hinzu kommen gewöhnliche Umstände wie Mundatmung, trockene Luft in der Heizperiode oder geringe Flüssigkeitsaufnahme. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihnen ein Balsam nicht zusagt, versuchen Sie, ihn für einige Tage gegen eine einfache Variante ohne Parfümierung, Menthol und Aromen auszutauschen.

Wie man die Inhaltsstoffe liest und einen Balsam für empfindliche Lippen auswählt

Die Liste der Inhaltsstoffe auf der Verpackung wirkt auf den ersten Blick wie ein lateinisches Rätsel, folgt jedoch festen Regeln. Die Inhaltsstoffe werden in absteigender Reihenfolge nach Menge angegeben, sodass das, was am Anfang steht, die Basis des gesamten Balsams bildet. Bei einem Stift, Tiegel oder einer Tube reicht es daher aus, die ersten fünf Positionen zu lesen, um zu wissen, worauf das Produkt basiert – ob auf Wachsen und Buttern, pflanzlichen Ölen oder mineralischen Kohlenwasserstoffen. Der Rest der Liste besteht normalerweise aus Antioxidantien, Konservierungsstoffen, Duftstoffen und Farbstoffen, also Bestandteilen in Zehntelprozentbereichen.

Die absteigende Reihenfolge gilt bis zu einer Konzentration von einem Prozent; unterhalb dieser Grenze muss der Hersteller die Positionen nicht mehr ordnen. Deshalb macht es keinen Sinn, Schlussfolgerungen aus den letzten Zeilen zu ziehen. Eine Ausnahme lohnt sich jedoch: Duftstoffallergene, die namentlich angegeben werden müssen, erscheinen in der Liste in der Regel am Ende. Wenn Sie dort drei oder vier solcher Namen auf einmal finden, handelt es sich um einen stärker parfümierten Balsam, und für gereizte Lippen ist es besser, eine Variante ohne Duftstoffe zu wählen.

Kurzüberblick je nach Situation

Je nachdem, was den Lippen gerade fehlt, unterscheidet sich auch, was Sie am Anfang der Zutatenliste suchen sollten:

  • Trockene Lippen im Winter – Okklusivbasis, die die Feuchtigkeit einschließt: Bienenwachs, Candelilla- oder Carnaubawachs, Sheabutter. Ergänzt wird dies oft durch Glycerin oder Hyaluronsäure, die Wasser binden.
  • Lippen nach Sonne und Sommer – Leichtere Texturen mit beruhigenden Inhaltsstoffen, typischerweise Panthenol, Bisabolol oder Ringelblumenextrakt. Für Aufenthalte in den Bergen und im Sommer macht ein Balsam mit SPF Sinn, da die Lippenhaut nur minimalen eigenen Pigmentschutz hat.
  • Empfindliche oder atopische Haut – Kurze Rezeptur ohne Duftstoffe, ohne Farbstoffe und ohne kühlende oder wärmende Zusätze wie Menthol, Kampfer oder Zimtaroma. Je weniger Positionen die Liste hat, desto leichter können Sie den Ursprung einer möglichen Reaktion nachverfolgen.

Zwei praktische Kleinigkeiten dazu. Probieren Sie den neuen Balsam zunächst zwei bis drei Tage lang nur auf einem kleinen Bereich der Lippe oder im Mundwinkel aus – bei empfindlicher Haut zeigt sich eine Reaktion schnell und auf einer kleinen Fläche lässt sie sich leichter bewältigen. Achten Sie auch auf das Symbol eines geöffneten Tiegels mit einer Angabe wie 12M: Balsame mit hohem Anteil an pflanzlichen Ölen werden nach dem Öffnen schneller ranzig als solche auf Wachsbasis, auch wenn sie in der Handtasche immer noch gleich aussehen.

Wenn Sie auf diese Weise drei oder vier Balsame nebeneinander lesen, werden die Unterschiede von selbst deutlich und die Auswahl wird keine Lotterie mehr. In unserer Kategorie Lippenpflege finden Sie sowohl einfache Wachsstifte als auch nährende Balsame mit pflanzlichen Ölen, zum Beispiel von der Marke Nuxe. Wenn Sie empfindliche Haut langfristig im gesamten Gesicht behandeln, ist es oft praktisch, bei einer bekannten dermokosmetischen Linie zu bleiben – bei Marken wie Bioderma, La Roche-Posay oder Uriage folgen Sie der gleichen Philosophie der kurzen Rezeptur, nur in einem anderen Format.