Das Geheimnis der Zeitmessung 2: Sanduhren

Johanna Werner | 26. 2. 2019

Schon in ältester Zeit versuchte der Mensch, das Geheimnis der Zeit zu lüften und sich die Uhrmacherkunst anzueignen. Der Erfindung der Uhr, wie wir sie heute kennen, waren jedoch schon viele andere Entdeckungen vorausgegangen. Welche waren das? Ein weiterer Teil der Artikelserie über die Anfänge der Uhr liegt nun vor.

Zu den Mitteln der Zeitbestimmung, auf die unsere Vorfahren zurückgriffen, gehörte auch die Sanduhr. Hierbei handelt es sich um einen relativ genauen Zeitindikator.

Wann entstand sie?

Ihre Herkunft und ihr Alter sind nicht genau bekannt. Nachgewiesen ist sie erst im 14. Jahrhundert, wenn auch einige vermuten, dass sie schon im 11. Jahrhundert in der Seefahrt verwendet wurde. Andere wiederum vertreten mit Vehemenz die Ansicht, dass es schon im 8. Jahrhundert (oder sogar noch früher) Sanduhren gab.

Wie funktioniert sie?

Im Unterschied zur Sonnenuhr, die von der Bewegung der Sonne abhängig ist, ist die Sanduhr durch die Erdanziehung beeinflusst. Sie besteht aus zwei Glaskolben, die durch ein enges Röhrchen miteinander verbunden sind. Durch dieses Röhrchen wird der Sand nach und nach vom oberen Gefäß in das untere umgefüllt. Sobald der Sand komplett hindurchgelaufen ist, muss die Uhr umgedreht werden, und der ganze Prozess beginn von Neuem. In der Regel sind Sanduhren in der Lage, eine Stunde zu messen, doch können sie auch so modifiziert werden, dass sie einen längeren oder kürzeren Zeitabschnitt messen. Da sie alleine für sich nicht ununterbrochen funktionieren und die Zeit nicht zu einer beliebigen Tages- oder Nachtzeit anzeigen können, werden sie vor allem zum Messen kleinerer Zeitintervalle verwendet. Wir könnten sie heute problemlos durch hochwertige Uhren mit Stoppuhr oder Timer ersetzen, doch würden wir uns so wohl um eine faszinierende Haushaltsdekoration bringen. 

Woraus besteht sie?

Heutzutage stellt man sie zumeist aus Glas oder Kunststoff her. Ihren Rahmen fertigt man aus Holz, Metall, Kunststoff oder einem anderen Material nach eigenem Gusto. Die ersten Sanduhren allerdings waren aus Metall oder Holz, gefüllt wurden sie gewöhnlich mit Sand, später verwendete man auch andere Mischungen – z.B. Marmorstaub, gebrannte Eierschalen und Zinn- bzw. Bleisand. Im Laufe der Zeit wurden auch andere Materialien getestet, um herauszufinden, welches von ihnen am gleichmäßigsten durch die Uhr rinnt.

Wie wird sie hergestellt?

  • Zunächst gilt es, den Füllstoff sorgfältig vorzubereiten, und zwar so, dass er am Ende in möglichst kleiner Form zur Verfügung steht (Verschmutzungen müssen beseitigt werden, er muss in Wasser gewaschen und anschließend eine ganze Woche lang getrocknet werden, danach wird er noch viele Male gesiebt).
  • Nun fertigt der Uhrmacher hochwertige Glaskolben an, vermisst sie und testet ihre Qualität. Jetzt werden die Teile des Ständers gefertigt, in dem die Kolben mitsamt allen Dekorationselementen eingefügt werden.
  • Der Uhrmacher muss wissen, wie lange Zeitintervalle die Uhr messen soll. Dementsprechend muss er dann eine entsprechende Menge Füllstoff vorbereiten. Das konkrete Gewicht wird gewöhnlich schon vorher festgelegt, dennoch sind genaues Abmessen, Testen und mitunter auch ein mehrstündiges Beobachten unerlässlich, damit die Uhr am Ende so genau wie nur irgend möglich ist.
  • Anschließend muss die Uhr zusammengebaut werden – der Füllstoff kommt in einen der Kolben, die Kolben werden mit Harz zusammengekittet, die Teile des Ständers werden mit dem gläsernen Mittelteil verbunden. Die Herstellung nimmt mehrere Tage in Anspruch (wobei der Füllstoff bereits gebrauchsbereit ist).

Vorgängeruhren

Wasseruhr

Vorgänger der Sanduhr war die Wasseruhr, die aller Wahrscheinlichkeit nach im Osten erfunden wurde. Ihre Geschichte reicht bis ins 14. Jahrhundert v. Chr. (vielleicht sogar bis ins 15. Jahrhundert) zurück. Verwendet wurde sie im Alten Ägypten, in Babylonien und auch in Griechenland. Man nannte sie Klepsydra, was übersetzt so viel wie „Wasserdieb“ bedeutet. Im frühen Mittelalter gehörte sie zu den bevorzugten Geschenken für Herrscher. Ähnlich wie die Sanduhr bestimmte auch sie nur einen bestimmten Zeitabschnitt. Ursprünglich handelte es sich hierbei um ein Gefäß mit einer kleinen Öffnung im Boden, und die Striche in diesem Gefäß zeigten an, wie viel Zeit verstrichen war. Im Laufe der Zeit wurde sie immer weiter perfektioniert, ihr Nachteil aber war, dass sich die Länge einer Stunde im Laufe eines Jahres veränderte. Heute ist sie kaum noch mehr als eine Erinnerung an die Vergangenheit und dient zu dekorativen Zwecken.

Anschließend einige weitere interessante Erfindungen

Astrolabium

Sagt Ihnen der Ausdruck Astrolabium etwas? Schon auf den ersten Blick fesselt es den Beobachter. Es handelt sich hierbei um ein astronomisches Instrument, das von Seefahrern, Vermessern und Astronomen verwendet wurde. es war in der Lage, die Position der Sterne und die Zeit gemäß der örtlichen geografischen Länge zu bestimmen, außerdem dient es zur Berechnung der Entfernung. Verwendet wurde es schon in der Antike. Auf sein Funktionsprinzip wurde auch beim Bau der Prager Aposteluhr zurückgegriffen.

Heute würde uns statt eines ähnlichen Instruments eine Uhr mit GPS oder Kompass genügen. Und warum sich nicht gleich für eine Uhr entscheiden, die nicht nur über GPS, sondern auch über ein Barometer oder einen Schrittzähler verfügt und zudem die Weltzeiten anzeigt? Zu den beliebtesten Uhrenmarken, die viele dieser nützlichen Funktionen miteinander verbinden, gehören beispielsweise die Modelle aus der Reihe Casio G-Shock sowie mehrere Sportkollektionen der Marke Festina.

Im nächsten (und zugleich letzten) Teil unserer Serie erfahren Sie Wissenswertes über mechanische Uhren und können dabei einmal selbst versuchen, den unglaublichen Fortschritt zu ermessen, den unsere Vorfahren erzielten… 

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